„Welcome to Africa“ - Zusammenarbeit stärken, Herausforderungen meistern

15.03.2012

Die Forschungszusammenarbeit zwischen deutschen und afrikanischen Hochschulen auszubauen ist Ziel des neuen Hochschulkooperationsprogramms "Welcome to Africa". Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert das Programm mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in Höhe von insgesamt 3,3 Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren. Aus 80 Anträgen wurden zehn Projekte ausgewählt. Bei der Auftaktveranstaltung in Bonn stellten die Projektleiter ihre Forschungsvorhaben vor.

Elisio Macamo (rechts): "Forschungsfragen gemeinsam mit afrikanischen Kollegen formulieren" Bild vergrößern Elisio Macamo (rechts): "Forschungsfragen gemeinsam mit afrikanischen Kollegen formulieren" (© DAAD) „Afrika ist wie ein Virus: Wen es einmal erwischt hat, den lässt es nicht mehr los“, sagt Dr. Alexander Heidt. Der 30-jährige Physiker hat insgesamt sieben Jahre in Südafrika verbracht. Am Anfang arbeitete er als Lehrer in den Townships: „Dabei habe ich mich in das Land verliebt“, erzählt er.

Heidt schrieb seine Diplomarbeit in Südafrika. Mit einem DAAD-Doktorandenstipendium wurde er parallel an den Universitäten Jena und Stellenbosch (Südafrika) promoviert. Von seinen Erfahrungen berichtete er in der Podiumsdiskussion „Forschungskooperationen – Visionen und Herausforderungen für Nachwuchswissenschaftler“.

"Afrikakompetenz stärken"

Zunächst standen jedoch die zehn am neuen Programm teilnehmenden Projekte im Fokus, die in Bonn auch durch zahlreiche Vertreter afrikanischer Hochschulen präsent waren. „Welcome to Africa“ solle das bestehende Programmangebot der Individiual- und Kooperationsförderung des DAAD nicht ersetzen, erklärte Dr. Helmut Blumbach, Leiter der Programmabteilung Süd im DAAD, zum Auftakt der Veranstaltung.

Vielmehr gehe es darum, diese durch neue, stärker forschungsorientierte Maßnahmen zu ergänzen. „Zwei Dinge sind bei ‚Welcome to Africa’ neu: Wir wollen die Mobilität der deutschen Nachwuchswissenschaftler fördern und werben mit diesem Programm dafür, dass mehr von ihnen nach Afrika gehen und so ihre Afrikakompetenz stärken.“

Zum zweiten stehe der wissenschaftliche Austausch auf Augenhöhe und die Stärkung der Forschungs- und Ausbildungskapazität an afrikanischen Hochschulen im Mittelpunkt. Diesen Aspekt hob auch Ministerialdirigent Maximilian Metzger vom BMBF in seinem Grußwort hervor.

Auf beide Ziele des Programms ging Professor Elisio Macamo vom Zentrum für Afrikastudien an der Universität Basel ein und dankte dem DAAD für die Initiative. Sie entspreche dem Wesen der Wissenschaft, sich der Herausforderung zu stellen, die Welt immer wieder neu zu entdecken, sagte er und zitierte ein Sprichwort aus seiner Heimat: „Wenn du nicht auf Reisen gehst, wirst du deine eigene Schwester heiraten.“

Zugleich warb er für ein modernes Verständnis von Forschungskooperationen mit afrikanischen Universitäten: Akademische Partnerschaften sollten als Zusammenarbeit und gegenseitige Bereicherung betrachtet werden. Es gehe darum, „Forschungsfragen gemeinsam mit afrikanischen Kollegen und Einrichtungen zu formulieren und die praktische Umsetzung den Afrikanern zu überlassen“.

Große Projektvielfalt

Die zehn Projekte von „Welcome to Africa“ zeichnen sich durch eine große thematische Bandbreite aus. Dem Thema Umweltschutz sind mit unterschiedlichen Ansätzen drei Projekte gewidmet: In Kooperation mit Universitäten aus Äthiopien, dem Sudan, Uganda und dem Südsudan beschäftigt sich die Technische Universität Dresden mit den Auswirkungen des Klimawandels.

Die Teilnehmer der Auftaktveranstaltung tauschten sich intensiv über die geförderten Projekte aus Bild vergrößern Die Teilnehmer der Auftaktveranstaltung tauschten sich intensiv über die geförderten Projekte aus (© DAAD) Die Technische Universität München und die Humboldt-Universität zu Berlin bilden mit zwei südafrikanischen Universitäten eine Allianz für die nachhaltige Nutzung und Renaturierung von Feuchtgebieten im südlichen Afrika. Das Projekt „Integrated Watershed Management Research & Capacity Development“ wird getragen von der Freien Universität Berlin und Universitäten in Kenia, Kamerun und Südafrika sowie der United Nations University Bonn. 

Pharmazeutische Forschung betreibt indes die Technische Universität Dortmund in Zusammenarbeit mit der University of Yaoundé I in Kamerun. Zur Stärkung der universitären Architekten- und Ingenieursausbildung kooperiert die Bauhaus-Universität Weimar mit Universitäten in Äthiopien und im Südsudan.

Die Förderung von sozialem Unternehmertum und Technologiegründungen steht im Mittelpunkt des Forschungsvorhabens der Universität Oldenburg mit der Nelson Mandela Metropolitan University. Die Universität Hannover plant ein „Child Development Lab“ mit der Tumaini University in Tansania, während die Universität Rostock ein Fortbildungs- und Forschungsnetz für VET-Berufspädagogen (VET steht für Vocational Education and Training) ausbaut, unterstützt von Universitäten in Mosambik, Äthiopien und Südafrika. 

Professor Ulrich Heid von der Universität Hildesheim und Professor Daan Jacobus Prinsloo von der University of Pretoria werden mit weiteren Partneruniversitäten aus Südafrika und Namibia elektronische Wörterbücher erarbeiten. Die Universität Leipzig stärkt ihre Verbindungen mit Afrika durch den Aufbau des „Afrikanetzwerkes Tansania-Äthiopien-Kamerun-Südafrika“.

"Enormes theoretisches Wissen"

Differenzierte Einblicke in die Entwicklung einzelner afrikanischer Länder und Universitäten bot die Podiumsdiskussion. Christine Bukania aus Kenia, derzeit Masterstudentin an der Universität Bonn, und Gilbert Ndi Shang aus Kamerun, derzeit Doktorand an der Universität Bayreuth, schilderten die Mängel in der Infrastruktur, der Ausstattung und den fehlenden Zugang zu aktueller wissenschaftlicher Literatur an ihren Heimatuniversitäten. 

Bukania könnte sich vorstellen, dass sich zukünftig auch die kenianische Wirtschaft an der Wissenschaftsförderung beteiligt. Shang möchte Organisationsformen und Management-Methoden aus dem deutschen Universitätsalltag übernehmen.

Neben den Herausforderungen kamen auch der persönliche und wissenschaftliche Nutzen eines Afrika-Aufenthalts zur Sprache. So empfand die Medizinerin Dr. Karen Kadner, die als Doktorandin mit einem DAAD-Stipendium an der Universität Kapstadt war, die hohe Wertschätzung von Bildung in Afrika als Ansporn für die eigene Leistung. 

Alexander Heidt verwies auf die Kompetenz seiner Kollegen: „Afrikanische Physiker haben vielleicht nicht so viel Erfahrung mit Geräten, aber sie haben ein enormes theoretisches Wissen. Es würde mich nicht wundern, wenn der nächste Einstein aus Afrika kommt.“

Der Beitrag erschien zunächst auf www.daad-magazin.de

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